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DIE VERSE IV

               Der Koffer

Ein Mensch fasst den Entschluss, den weisen,
für ein paar Tage fort zu reisen,
weshalb er in sein Köfferlein
sich packt nun alle Sachen ein:
Ein Lippenstift, ein Puderdöschen,
ein Seidenhemd, ein Spitzenhöschen,
ein Töpfchen Creme für die Nacht,
kurz alles das, was Freude macht.
Nach Jahren reist der Mensch erneut,
weshalb er wieder sich nicht scheut
sein Köfferchen mit all` den Sachen
zu packen, die jetzt Freude machen:
Die Rheuma – Salbe, Franzbranntwein,
Tabletten gegen Zipperlein,
die selbstgestrickte Unterhose,
für seine Zähne eine Dose,
kurz alles das, was ihn entzückt
und was ihn heute tief beglückt.
Der Mensch stellt fest, wie er so handelt,
wie doch die Zeit den Koffer wandelt...

( aus “NA SOWAS”, 2003 )

Aktien

     Schmetterlinge im Bauch

Ein Mensch, der, sagen wir mal nüchtern,
war für die Liebe stets zu schüchtern,
lernt unverhofft ein Weibsbild kennen,
was alle schon ein „Wunder“ nennen.
Alsbald verspürt der Mensch dann auch
den Schmetterling in seinem Bauch,
der kribbelt, wenn die Holde naht,
der flattert, schwirrt, und in der Tat
der flügelschwingend um sich schlägt,
was „Liebe“ sein muss, wie er wägt.
Nach Tagen, sagen wir nach Wochen,
bemerkt der Mensch jetzt ungebrochen:
Der Schmetterling wird langsam träge,
ganz kraftlos sind die Flügelschläge,
das Kribbeln hat sich jäh verzogen,
das Flattern, Schwirren, ist verflogen,
kurz, unser Mensch muss jetzt beklagen:
Der Schmetterling liegt ihm im Magen !
Moral gewünscht ? Ja, meine Güte !
Auch Schmetterlinge werden müde...

( aus “NA SOWAS”, 2003 )

Koffer_3

          Die Aktie

Ein Mensch, der, was schon oft passiert,
mit Aktienkäufen spekuliert,
erwirbt die Aktie „KUNKEL-LICHT“,
weil die ihm viel Gewinn verspricht.
Mit diesem starken Wertpapier,
da wird er wohl in Kürze hier,
auch wenn die andern leise lachen
die größten Geldgewinne machen,
vorausgesetzt, die Aktie steigt,
wozu der Name „KUNKEL“ neigt.
Das Wertpapier, was dieses ehrt,
gewinn am Montag schon an Wert,
steigt Dienstag, was man selten kennt,
auf über hundertzehn Prozent
und hat am Mittwoch über Nacht
sich mehr als schon bezahlt gemacht.
Der Mensch sieht sich im Gelde schwimmen,
die Straße zum Erfolg erklimmen,
vorbei sind endlich, keine Frage,
die schuldenreichen armen Tage,
dank „KUNKEL-LICHT“ und seinesgleichen
gehört der Mensch jetzt zu den Reichen
und kann sich leisten alles künftig,
selbst was verpönt und unvernünftig.
Es kommt der „Schwarze Donnerstag“,
wo „KUNKEL“ nicht mehr steigen mag,
im Gegenteil, in zwei, drei Stunden,
da fällt das Wertpapier nach unten
und liegt fortan mit Mark und Heller
geläutert erstmals tief im Keller.
Der Mensch gebrochen und im Dunkel
hofft, dass der Aktienwert von “KUNKEL”
steigt wenigstens nach dem Gezerre
vom Keller wieder in Parterre...

( aus “NA SOWAS”, 2003 )

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          Im Seminar

Ein Mensch, beflissen Jahr für Jahr,
sitzt Stunden schon im Seminar
und lauscht dem Referenten brav.
Da überfällt ihn jäh der Schlaf...
Der Mensch, ich muss es wohl erwähnen,
beginnt ganz zögerlich zu gähnen,
bemerkt sei auch ganz nebenbei,
die Augen werden schwer wie Blei,
der Referent erscheint verschwommen,
wird lang` schon nicht mehr wahrgenommen,
sein Sachvortrag, ich sag`s nicht gerne,
rückt mehr und mehr in weite Ferne,
bis dass der Mensch sichtlich beglückt
in Morpheus Reich dann weit entrückt.
Der Mensch verliert bei der Entfaltung
auf seinem Stuhl an Körperhaltung,
sein Kopf, der sich zur Seite neigt,
ganz deutlich einen Tiefschlaf zeigt,
was sich bestätigt ganz zum Schluss
im Schnarchen und im Speichelfluss.
Da plötzlich muss bei all den Krisen
des Menschen Nachbar lauthals niesen:
„Hatschiii !“ tönt es mit aller Macht,
worauf der Schläfer jäh erwacht.
Der Mensch, der kurz der Welt entschwand,
gewinnt an Haltung kurzerhand
und lauscht dem Vortrag freudig wieder.
Da senken sich erneut die Lider...

         Die Wirtsleut`

Als mir der Wirt den Krug gereicht,
schlug froh mein Herz zur Stunde.
Und weil beim Bier die Zeit verstreicht,
saß ich in trauter Runde.

Doch als es dann an`s Zahlen ging,
da hatt` ich keinen Heller !
Da sperrte mich der Widerling
drei Tage in den Keller !!

Drei Tage saß im Keller ich,
verraucht, vergeigt, verpfiffen !
Die Wirtsleut` sind oft widerlich
und reichlich ungeschliffen...!!

( aus “NA SOWAS”, 2003 )

     Presslufthammer – Rainer

Pre-, Pre-, Presslufthammer - Rainer
schu-, schu-, schuftet sich kaputt,
so wie Rainer schuftet keiner,
alles hämmert er zu Schutt.

Mo-, mo-, morgens in der Frühe
hä-, hä-, hämmert er am Schacht,
Rainer gibt sich große Mühe,
hämmert bis zur frühen Nacht.

I-, i-, ist er dann zu Hause
zi,- zi-, zittert er am Leib,
doch nur kurz hat Rainer Pause,
denn es wartet schon sein Weib.

Spä,-spä,- spät in seiner Kammer
ru-, ru-, ruft ihn dann die Plicht.
Armer Rainer, welch ein Jammer,
musst jetzt noch zur Sonderschicht...

( aus “NA SOWAS”, 2003 )

( aus “NA SOWAS”, 2003 )

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      Amtliches Schreiben

Wenn jemand etwas „wichtig“ nennt,
ein andrer soll es wissen,
holt sich der Mensch ein Pergament
und auch ein Stempelkissen.

Das Pergament, was das betrifft,
beschreibt der Mensch gewöhnlich,
am Ende folgt die Unterschrift,
„Im Auftrag“, höchstpersönlich.

Zum Abschluss dieser Amtshandlung
schwingt im Beamten – Tempel
der Mensch noch zur Bekräftigung
gewichtig seinen Stempel. 

Nachdem der Brief zur Post gebracht,
gelesen jedes Wörtchen,
hängt beim Empfänger über Nacht
der Wisch am “Stillen Örtchen“...

( aus “NA SOWAS”, 2003 )

      Die Schutzimpfung

Ein Mensch, der in der Zeitung liest,
dass er in Kürze wohl bald niest,
lässt er sich nicht, mag er auch schimpfen,
bald gegen Influenza impfen,
beschließt, schon der Gesundheit wegen,
ob dieser Mahnung, sich zu regen.
Der Mensch sorgt vor, lässt Nadeln stechen,
zeigt Tatkraft, Mut und keine Schwächen,
und wiegt sich drauf für lange Zeit
behaglich auch in Sicherheit.
Da wird er krank, was unergründlich,
die Nase läuft ihm beinah stündlich
und er stellt fest, enttäuscht, verdutzt:
Die Impfung hat ihm nichts genutzt !
Ein Unmensch, der in jenen Tagen
die Impfung sorglos ausgeschlagen
und der stets nur, das ist das Schlimme,
befolgt den Rat der inn`ren Stimme,
verspürt, gestärkt durch seinen Willen,
nicht eine dieser Schnupfbazillen.
Moral am Ende wär` hier wichtig.
Was nennt man falsch und was ist richtig ?
Die Frage, die ist schnell umrissen,
die Antwort muss man selber wissen...

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( aus “NA SOWAS”, 2003 )

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