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ThĂŒringer Doppelquartett im "Treffpunkt"

MONTREAL: Die meisten Leute entsenden Ansichtskarten aus der Ferne an die Lieben daheim. Ingeburg Johanssen macht das anders. Von ihren Wanderungen durch das ThĂŒringer Land brachte die Montrealer Krankenschwester klingende GrĂŒĂŸe, die einen ganzen Saal beglĂŒckten. Dank ihrer Initiative fand am 05.September ein Liederabend in der "Treffpunkt"-Halle mit dem "Doppelquartett Bad Liebenstein" statt.

Wie Helmut Hartmann, Leiter dieser exzellenten Gruppe lĂ€chelnd erlĂ€uterte, ist schnell errechnet, dass die 2 x 4 SĂ€nger durch eine neunte Stimme erweitert wurde. Kein Grund, den Namen der a capella – Singgruppe zu Ă€ndern.

Das Doppelquartett Bad Liebenstein setzt sich aus zwei ersten Tenören, zwei zweiten Tenören, drei ersten BÀssen und zwei zweiten BÀssen zusammen. Das von ihnen gesungene Repertoire umfass mehr als 150 Werke aus dem Bereich des alten deutschen Liedgutes und dem Bereich der neueren deutschen Liedliteratur.

Das fĂŒr diesen Abend ausgesuchte Programm war vorzĂŒglich einstudiert und vollkommen „aus dem Kopf“ gesungen. Ganz bescheiden erklĂ€rte Leiter Helmut Hartmann, der Mann mit dem feinen musikalischen Gehör und der samtenen Tenorstimme, dass sie gekommen wĂ€ren in der Hoffnung, mit ihrem Liedvortrag ihren Montrealer Zuhörern „ein paar kurzweilige Minuten“ zu bereiten. Damit hatten sich die singenden ThĂŒringer ganz verrechnet – ihr deutsch-kanadisches Publikum ließ sie nicht mit ein paar Minuten davonkommen; derart war die Freude an der musikalischen Botschaft aus der Heimat, dass sich das Singen ( im Vortrag wie spĂ€terhin gemeinsam ) ĂŒber mehr als drei Stunden erstreckte. Schön wars`s.

Schön war gleich der erste Teil mit altbekannten deutschen Volksliedern von „Kein schöner Land“ ĂŒber „Am Brunnen vor dem Tore“ zur „Rose von Burgund“. Zwischendurch lieferte Volker Henning, Sprecher des Doppelquartetts Bad Liebenstein, kleine erlĂ€uternde Kommentare ĂŒber Programmgestaltung, Repertoire, VortrĂ€ge und Verpflichtungen im Verlauf des Chorjahres, Fernsehauftritte, Tonbandaufnahmen und die Sorge um den singenden Nachwuchs.

Die ThĂŒringer SĂ€nger schlossen des ersten Teil des Liederabends mit zwei – im Hinblick auf diese Reise – erwĂ€hlten Liedern, das eine galt den Auslandsdeutschen und hieß „Die alten Straßen noch“. Es ist ein Stimmungsbild und beschreibt die Heimkehr eines Menschen, der seine alte Heimatstadt nach vieljĂ€hriger Abwesenheit aufsucht, die VerĂ€nderungen wahrnimmt, sich als ein Fremder fĂŒhlt: “…die alten Freunde sind nicht mehr…“. Das letzte Lied „Freiheit, die ich meine“, wĂ€hlten sie sich selbst.

Die Nordamerika-Reise, die via New York ĂŒber Boston, Quebec, Montreal, Toronto, Buffalo, Gettysburg und Washington fĂŒhrt, ist bisher die grĂ¶ĂŸte Konzertreise des Liebensteiner Doppelquartetts und ihrer Damen. Mit der Wahl des Freiheitsliedes des Tilsiter Lyrikers Max von Schenkendorf feierten sie die 1989 erhaltene Freiheit und die Möglichkeit dieser ihrer ersten Übersee – Konzertreise. War das ein Singen !

Im zweiten Teil zeigten sie sich von anderer Seite und bewiesen damit ihre Vielseitigkeit. Auf Wunsch einer ThĂŒringerin und zu Ehren der anfangs erwĂ€hnten Wanderin sangen sie das „Rennsteiglied“ von der Sehnsucht nach dem ThĂŒringer Wald. Daran schloss sich ein gar fröhliches Waldbild an – das vertonte Ludwig Uhland  - Gedicht „Der weiße Hirsch“. Und als der Hirsch davon gesprungen, die kĂŒhnen JĂ€ger sich besonnen hatten, wurde das MenĂŒ aufgetragen: der unglaublich rapide, zungenbrecherische Liedschwank „ Der Speisezettel“.

Fasziniert und mucksmĂ€uschenstill saß alles im Saal, als die Herren SĂ€nger sich in Bass, Bratsche, Fagott, Klarinette, Horn und Flöte verwandelten und „Das Orchester“ anstimmten. Es ist ein „Quodlibet“ ( eine scherzhafte mehrstimmige Vokalkomposition in der verschiedenartigste vorgegebene Melodieteile humoristisch kombiniert sind und gleichzeitig oder aneinandergereiht vorgetragen werden ). Es verdeutlicht vor allem, wie jede einzelne Singstimme zĂ€hlt und ein jeder SĂ€nger „seinen Mann zu stehen“ hat. Was zwar fĂŒr sĂ€mtliche vorgetragenen Lieder des Doppelquartetts gilt, aber nicht immer so heraus sticht.

Wiederholt schöne Solopartien lieferte dabei der Leiter des Doppelquartetts, Tenor Helmut Hartmann. Wunderbar schwebte die weiche, schön gerundete Stimme ĂŒber den verhaltenen Harmonien des Quartetts im russischen Volkslied „Das Glöckchen“. Man endete auf populĂ€rer Note mit „So ein Tag, so wunderschön wie heute“.

Abschließend – gedankt von DKH PrĂ€sident Egon Uggowitzer und mit Souvenirs bedacht - verabschiedeten sich die ThĂŒringer SĂ€nger und Montrealer Sanges- freunde von einander. Auf Wiedersehen ! Auf Wiederhören
!

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